@Fr0n7t4%!, ich glaube es ist völlig nebensächlich, ob sie Weltmacht werden wollen - wenn sie wirtschaftlich aufsteigen, werden sie es automatisch werden. Das ist zumindest meine Überzeugung. Und dass die Chinesen Weltmachtansprüche haben, ist davon abgesehen auch nicht von der Hand zu weisen: Im Altertum waren sie Weltmacht und geschichtlich betrachtet haben Sie sich schon immer als Weltmacht gefühlt - nur können sie diese Ansprüche im Moment nicht wirklich auf die Welt ausdehnen. In ihrer Region sind Sie aber schon alleine wegen ihrer Größe ein wesentlicher Machtfaktor - und vorallem reden sie bei weltpolitischen Themen zunehmend mit.
Ansonsten habe ich den Artikel, aus dem du hier zwei Absätze gpostet hast, mal ganz durchgelesen:
http://www.ifdt.de/0301/Artikel/gareis.htm
Ich finde durchaus, dass daraus zweierlei hervorgeht: China will ein Gegengewicht zu den westl. Mächten werden - zumindest verstehe ich folgenden Satz so: "Das zentrale Interesse Chinas wird strikt auf die Stabilität seiner unmittelbaren Umgebung und den fortschreitenden Ausgleich mit den größeren Mächten gerichtet bleiben. Eine Erweiterung ihrer außenpolitischen Aktivitäten wird China eher in Randbereichen - z.B. im Rahmen von VN- Friedensmissionen - vornehmen."
Genau so wie ich oben beschrieben habe: Zunächst geht es um ihre unmittelbare Region, auch, weil sie nicht mehr leisten können. Danach kommt der Ausgleich mit den großen Mächten - heißt also nichts anderes, als dass sie sich neben den bestehenden großen Weltmächten etablieren möchten. Ansonsten wird China in der Außenpolitik aus zwei Gründen nicht unbedingt tätig: Sie können es sich noch nicht leisten und vielleicht glauben sie auch, dass wir keine Kriege, sondern vorallem Friedensmissionen brauchen. Der letzte Satz in dem Absatz da oben klingt zwar so, als hätten sie keine großen Weltmachtbestrebungen - aber wer, außer den USA (die sich mit ihrem Krieg gehörig Ärger eingehandelt haben - vielleicht ist China nicht so töricht) beschränkt seine außenpolitischen Aktivitäten nicht rein auf das Stellen von Kontingenten bei Friedenstruppen. Das wird in Zukunft auch die vordringliche Aufgabe der Armeen von Weltmächten sein - Friedensstiftung in Krisenregionen.
Zu deinem zweiten zitierten Absatz: "China hielt nach dem Führungswechsel keine Überraschungen für die Welt bereit, sondern hat eher verstärkt seinen innenpolitischen Imperativen gehorcht. Die Volksrepublik kann ihren Systemwechsel aus eigener Kraft nicht leisten. Sie bleibt daher auf fortschreitende Integration in das internationale System angewiesen und wird schrittweise auch dessen Spielregeln übernehmen. Hieraus erwachsen nicht zuletzt für Europa weitere politische und wirtschaftliche Chancen. Es wird daher auch im europäischen Interesse liegen, Chinas Weg konstruktiv zu begleiten."
Das mag stimmen - im Klartext und von hinten aufgerollt heißt das aber: Durch die Öffnung ihrer Wirtschaft, müssen sie sich zwangsläufig an die internationalen Spielregeln halten. Und gerade durch diesen daraus folgenden wirtschaftlichen Aufschwung wird der Wechsel kommen, weil die Machthaber nicht mehr nur ihren innenpolitischen Impertaiven gehorchen können. Kurzfristig also keine Überraschungen in der Hinsicht, langfristig wird sich aber ein schleichender Systemwechsel einstellen. Wenn der dann endgültig vollzogen ist, werden wir wohl eine neue Weltmacht begrüßen dürfen - vorher werden wir noch Politiker in China beobachten können, die zwar den Markt öffnen, sich aber zwanghaft an ihre Macht klammern und diese mit allen Mitteln verteidigen (Menschenrechtsverletzungen). Und dieser Machtwechsel wird schleichend kommen: schon jetzt gibt es zunehmend Proteste im eigenen Land haben, über die sogar schon in den staatlichen Medien berichtet wird. Wir helfen durch unsere Diplomatie noch nach, den Weg zu beschleunigen: "Die in China ohnehin prekäre Lage der Menschenrechte dürfte daher auch weiterhin sehr angespannt bleiben und sich nur schrittweise auf dem Wege stiller Diplomatie vor allem mit dem westlichen Ausland verbessern lassen." [Ebenfalls aus oben genannten Artikel]
Letztendlich tun die Chinesen damit nichts anderes, als wir und die USA auch. Sie integrieren sich ins internationale System und ebenen sich somit den Weg an die Weltspitze... das politische System mit ihren Machthabern wird als letztes hopps gehen.
Kurz: Der Wirtschaftsaufschwung, verbunden mit den innenpolitischen Spannungen wird langfristig den Weg zu einem demokratischen Staat ebnen, der ein hohes Weltmachtpotenzial hat.