Thema: Gedichte-Wahn
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Alt 03-07-2002, 07:29
qwertz77 qwertz77 ist offline
Terrordrohnenhirte

 
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Franz Werfel: Fünf Uhr nachmittags Traurigkeit


Der Regen vor dem Fenster hängt.
Die Luft ist ganz vom Tod durchtränkt.


Ich selber bin vom Tod durchtränkt
Und alles, was mein Denken denkt.


Der Regen an die Scheiben stürzt.
Die Dämmerung ist leidgewürzt.


Ein Gramm in ihr wie Salz gelöst,
Wird meinem Atem eingeflößt.


Ich lausche meinem Herzenswehr.
Wann kommt die letzte Welle her?


Wieviele Tage bleib ich noch?
Wieviele Worte schreib ich noch?


Wir oft noch küßt mein armer Mund?
Gott weiß die Zahl. Die Zahl ist kund.


Die Dämmerung qualmt wie Kohlenschwall.
Fünf Uhr, fünf Uhr wird überall.


Der Atemraum ist ganz durchtränkt
Von Dingen, die kein Denken denkt.
__________________
"No chord of music has yet been found
to even equal that sweet sound
which to my mind all else surpasses
an auto engine and its puffing gasses."

You can`t cheat death


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