Thema: 20. Juli 1944
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Alt 22-07-2004, 14:22
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So, also eins muß ich jetzt doch mal sagen: es gibt keinen Staatsstreich ohne Risiko!

Ihr glaubt, man müsse die Sache erst so festzurren müssen, das kein Scheitern mehr möglich gewesen wäre! Das ist aber nicht möglich.
Sowas kann immer scheitern. Es genügt, wenn man eine hohe Wahrscheinlichkeit des Erfolges erwarten kann und das war bei Stauffenberg der Fall.
Das Wort "Zuviel Risiko" gibt es nicht beim Staatsstreich.

Und eben das haben viele hohe Offiziere nicht verstanden und sie haben abgewartet und den Wallenstein gespielt. Die Nazis aber waren hundertprozentig entschlossen und haben diese Herren nach dem Putsch alle liquidiert. Das heißt, die Wehrmacht war nicht entschlossen genug. Putsch hieß, jede Sicherheit aufgeben und um die Macht zu kämpfen!
Beim Sieg hätte man die Macht übernommen, bei der Niederlage bedeutete das den sicheren Tod.
(Mit der Ausnahme, man hatte ein schnelles Flugzeug nach England bereit, was etwa für Stülpnagel ja möglich gewesen wäre.)
Sie waren sich über die Härte dieser Entscheidung nicht im Klaren. Und deshalb haben sie die Entscheidung vermieden.


Und nun zu den spezielleren Bemerkungen von Junker.
Natürlich hätte man eine Panzerdivision oder ein Bataillon (ersteres hätte zusätzlich loyale Truppen niederwerfen können, aber für die eigentliche Aufgabe der Ausschaltung Hitlers genügte auch ein Bataillon) nicht weiträumig herangeführt. Sondern vielmehr wäre dafür eine loyale Einheit verwendet worden, die sich in der Nähe aufgehalten hätte oder sich auf dem Transport befand. Das heißt, man hätte sie zum Beispiel von einem Eisenbahntransport per Panzersprung heruntergenommen.

Nun zur Loyalität. Erstens hätte man eine Einheit genommen, die von Hitler sowieso die Nase voll hatte. Dann hätte sich der Kommandant vor die Truppe gestellt und gesagt: der Führer ist zum Kriegsverbrecher und Verräter des deutschen Reiches und Volkes erklärt worden! Unsere Aufgabe ist es, ihn zu verhaften und bei Widerstand zu erschiessen.
Wer damit aufgrund seines Eides Probleme hat braucht nicht teilnehmen und soll jetzt vortreten.
Diejenigen, die vorgetreten wären, wären in irgendeinem Bauernhaus für die Dauer der Aktion interniert worden. Die übrigen hätten aufgrund ihres militärischen Denkens mitgezogen.

Nun zur Aufklärung des Geländes. Viele hohe Offiziere kannten das Gelände. Zwei solcher Offiziere hätten die Panzertruppe begleitet; außerdem hätte jeder Panzer eine Karte bekommen, die sie vorher gezeichnet hätten.

Und nun zu der Torwache. Diese ist im Prinzip irrelevant. Es ist auch irrelevant, ob sie den Führer informiert hätte. Es ist auch irrelevant, ob der Führer noch sonstwen angerufen hätte. Im Gegenteil: Ziel der Aktion wäre gerade die Publizität und Öffentlichkeit gewesen. Es wäre also gewünscht gewesen daß möglichst breite Kreise von dieser Aktion im Augenblick der Ausführung Wind bekommen hätten.
Also, ran mit der Panzertruppe, die Torwache konnte zur Seite treten, ansonsten wäre man man mit dem Panzer über die Barracke gerollt. Schwere Waffen waren nicht vorhanden in der Wolfsschanze. Einzelne Verluste durch Panzerfaust hätte man hingenommen. Hitler hätte sich möglicherweise im Hauptbunker verkrochen, dessen Türen wären gesprengt worden und er wäre erschossen worden. Dazu hätte man Pioniere dabei gehabt, die sich im Häuserkampf auskennen.
Außerdem wäre die Wolfsschanze außerhalb des Minengürtels (Sperrkreis 1) umstellt worden und jeder, der rausgewollt hätte, wäre erschossen worden.

Eine andere gute Möglichkeit wäre auch die Landung einer Elite-Luftlandeeinheit gewesen. Vorteil wäre gewesen, daß sie in weiter Entfernung hätte starten können.

Aber wie gesagt: absolute Sicherheit gibt es nicht bei solch einer Aktion. Es genügt daher, wenn sie ausreichend vorbereitet und geplant ist und hohe Erfolgsaussichten hat. Das muß genügen.

Die Vernichtung der angreifenden Truppe nach dem Tode Hitlers durch Angriff hitlertreuer Einheiten wäre übrigens kein Problem gewesen, da der eigentliche Staatsstreich ja in Berlin und anderen Städten stattgefunden hätte.

Und nun zum Führereid. Dieser war eindeutig nur auf die Person Hitlers bezogen gewesen. Wenn Göring Nachfolger geworden wäre, hätte erst einmal neu vereidigt werden müssen.
Stattdessen hätte man sie aber auf den Reichsstatthalter Gördeler vereidigt.

Den Naziführern wären dann vom Volksgerichtshof die Maske vom Gesicht gerissen worden und sie wären hingerichtet worden.

Germane: Das ist richtig. Zuviele hohe Offiziere wollten Wallenstein spielen. Aber schon Wallenstein ist es nicht bekommen, und ebensowenig ist es Fromm und vielen anderen bekommen. Sie haben praktisch einen Einsatz verspielt, ohne tatsächlich zu setzen.

Was den kleinen Soldaten betrifft, hast du recht, ausgenommen die Truppen der SS. Diese hätten, solange der Führer gelebt hätte, tapfer für ihn gekämpft, auch wenn sie anderslautende Befehle erhalten hätten. Wenn jedoch der Führer tot gewesen wäre, wäre es ohnehin unvermeidlich gewesen eine neue politische Ordnung herzustellen. Sie hätten niemanden mehr gehabt, für den sie hätten kämpfen können. Himmler war ja nicht gerade beliebt bei der SS, vielmehr hat man ihn nicht ernst genommen.
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